Offene Haushaltsdaten auf Knopfdruck


Screenshot_Offenerhaushalt

www.offenerhaushalt.at mit Österreich-Karte

Diese Woche wurde das Portal www.offenerhaushalt.at gelauncht. Auf dem Portal sind die Rechnungsabschlüsse aller Gemeinden Österreichs der Jahre 2001-2012 hinterlegt. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister haben Zugangsdaten zum Portal erhalten, um ihre eigenen Daten inklusive darauf aufbauender Visualisierungen ansehen zu können. Mit einem Administrations-Zugang können diese Daten und Darstellungen mit wenigen Klicks öffentlich freigeschalten werden.

Bereits 500 Gemeinden haben den Zugang benutzt, etwa 10% haben die Freischaltung vorgenommen. Gleich von Beginn an dabei waren die Städte Salzburg und Krems, sowie die Gemeinden Altach und Engerwitzdorf. Rasch sind weitere gefolgt und es werden täglich mehr.

Das Portal adressiert dabei gleich mehrere Probleme:

  • In der Regel haben Gemeinden zwar die Rechnungsabschlüsse auf den Gemeindehomepages bereits veröffentlicht, allerdings als mitunter mehrere hundert Seiten lange PDF-Dokumente und nicht in einfach wiederverwendbaren Formaten. Noch dazu sind diese Daten auf 2.356 Gemeindehomepages verteilt.
  • Mit  www.data.gv.at steht zwar ein österreichisches Portal für offene Daten zur Verfüfung, allerdings haben noch wenige Behörden dort Budgetdaten veröffentlicht. Die bereits veröffentlichten sind nicht standardisiert und in der Detailtiefe bzw. Struktur völlig unterschiedlich.
  • Die Verfügbarkeit von Rohdaten alleine erhöht zwar die Wiederverwendbarkeit und Nachvollziehbarkeit, allerdings entfalten sie nur ihre Wirkung, wenn sie entsprechend aufbereitet werden. Derzeit exisitieren in Österreich eher erste Prototypen, siehe z. B. Open3 oder der nunmehr unter openspending.offenerhaushalt.at erreichbare österreichische Openspending-Ableger. Eine umfassenderes Visualisierungsportal ist weder auf Ebene von Bund und Ländern, noch auf Gemeindeebene entstanden.
Screenshot_MainView

Hauptansicht mit Treemap, Tabelle und Querschnittsrechnung

Offener Haushalt bietet folgende Funktionen

  • Visualisierung der Rechnungsabschlüsse 2001-2012 (funktionale Gliederung als Treemap + Tabelle: Wohin fließt das Geld?)
  • Die farben der Treemap bleiben gleich und stellen immer die gleiche Gliederungsebene dar. Man kann daher nachvollziehen, wie sich die Größenverhältnisse im Zeitablauf verändern.
  • Visualisierung der korrespondierenden Querschnittsrechnung (ökonomische Gliederung als Tabelle: Welche Arten von Kosten/Einnahmen?)
  • Visualisierung bis auf die Ebene der Leistungsbereiche
  • Detailansicht mit der Entwicklung über zwölf Jahre (Grafik) bzw. fünf Jahre (Tabelle), auf allen Ebenen
  • Gesamt- und Pro-Kopf-Darstellung
  • Download der Daten maschinenlesbar zur weiteren Verwendung (CSV-File)
  • Darstellung „Wohin fließt der Steuereuro?“ basierend auf 1.000 EUR bezahlter Steuern.
  • Alle Visualisierungen sind interaktiv (anklick- und navigierbar). Die aktuell selektierte Ebene bleibt stets erhalten.
  • Suchfunktion in den Bezeichnungen der VRV (Kontenbezeichnungen
  • Erläuterungen zu den Daten und deren Visualisierungen
  • Login-Möglichkeit für Gemeinden zur internen Nutzung bzw. Freischaltung

Wohin fließt der Steuereuro?

Screenshot_WhereDoesTaxpayersMoneyGo

Darstellung Wohin fließt der Steuereuro?

Zusätzlich zu den international schon recht bekannten Darstellungen in Form eine Treemap wird eine zusätzliche Form der Darstellung angeboten: Wohin fließt der Steuereuro? Bei dieser Visualisierung wird dargestellt, in welche Leistungsbereiche 1.000 Euro Steuereinnahmen (Einnahmen aus eigenen Steuern oder Ertragsanteilen) einer Gemeinde rein statistisch fließen. Für die Berechnung werden die Nettoausgaben (Ausgaben minus Einnahmen) der laufenden Gebarung herangezogen. Höhere Steuereinnahmen können entweder zu höheren Überschüssen in der laufenden Gebarung führen (d.h. einem höheren Betrag für Investitionen und Schuldentilgung) oder zu einer breiten Leistungspalette. Die Visualisierung sagt daher aus, was eine konkrete Gemeinde mit 1.000 Euro Steuereinnahmen macht.

Offener Haushalt ist ein Projekt des KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung und der Bank Austria in Kooperation mit dem Österreichischen Städtebund und Österreichischen Gemeindebund. Das Projekt basiert auf einer gemeinsamen Initative mit der Open Knowledge Foundation Austria. Implementiert wurde es mit Open-Source-Software vom Wiener Startup Interactives. Der durch die OKFN.at-Arbeitsgruppe Offener Haushalt im Rahmen des OpenData Day erarbeitete OpenSpending-Ableger ist noch einige Zeit unter openspending.offenerhaushalt.at erreichbar, wird aber nicht mehr weiter entwickelt. Die neue Plattform www.offenerhaushalt.at wird auch nächstes Jahr um neue Funktionen erweitert.

Kommentar verfassen