Thomas Lohninger ist der neue Community Coordinator der OKFN Österreich

Initiative für Netzfreiheit, Vibe, netzkinder.at, netzpolitik.org: Die Liste der netzpolitischen Plattformen, bei denen sich Thomas Lohninger in den letzten Jahren engagiert hat, ist beeindruckend. Nun kommt auch die OKFN Österreich hinzu, bei der er die Community Koordination übernimmt. Mit der ersten nicht mehr rein ehrenamtlichen Stelle geht auch die Professionalisierung unserer Organisation weiter. Im Interview erzählt Thomas Lohninger, wie er seinen neuen Job anlegen will und wie er die Situation von Open Data in Österreich sieht. 

Du engagierst dich bei verschiedenen netzpolitischen Initiativen im deutschsprachigen Raum, warum jetzt auch bei der OKFN? 

Für mich ist Netzpolitik eines der spannendsten Felder unserer Zeit. Ich verstehe darunter die gegenseitige Veränderung von Gesellschaft und Technik, mit Fokus auf dem Politischen also dem regulativen und auszuverhandelnden Teil. Dazu gehörte Open Knowledge immer schon dazu, nur waren es eben andere Themen wie die Vorratsdatenspeicherung, ACTA, Urheberrecht oder Netzneutralität, die näher in meinem Blickfeld waren und mich auch erstmal zu anderen Organisationen gebracht haben.

Was unterscheidet die OKFN von anderen Organisationen in dem Bereich?  

Die OKFN steht auf anderen Beinen, weil sie ein internationales Geflecht im Rücken hat und ein Thema bearbeitet, das breiter und gesellschaftspolitisch tiefgreifender nicht sein könnte. Die anderen netzpolitischen Organisationen versuchen hauptsächlich etwas Konkretes abzuwenden oder für den Erhalt von etwas Bestehendem einzutreten. Die OKFN steht für Revolution. Denn wenn Information das Erdöl des 21. Jahrhunderts ist, könnte der Ruf nach offenem Wissen kaum radikaler sein.

Was heißt Open Knowledge für dich und welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat es? 

Ich bin von der Überlegenheit freien Wissens überzeugt. Gleichheit im Zugang zu Informationen ist eine Vorraussetzung für jede gesunde, pluralistische Demokratie. Das Prinzip des freien Wissens hat jedoch mit der Möglichkeit des verlustfreien Kopierens, offenen Datennetzen und einer universellen Maschine, wie dem Computer, massiv an Bedeutung gewonnen. Welche gesellschaftlichen Auswirkungen diese Möglichkeiten letztendlich haben werden ist heute noch nicht abzuschätzen, die Vorteile gegenüber eingeschränkten Wissenszugängen jedoch sind offensichtlich.

Ganz im alten Hacker-Credo von “Privat Daten schützen und öffentliche Daten nützen”, muss eine Balance gefunden werden zwischen dem was öffentlich und frei für alle zugänglich sein soll, und den schützenswerten Bereichen des privaten Lebens, wo die informationelle Selbstbestimmung eingehalten sein muss. Für den öffentlichen Bereich aber dürfen wir gespannt sein! Dem alten Verständnis von Wissen als etwas das besessen und gehortet werden muss steht heute ein Selbstverständnis von Wissen als etwas zutiefst Positives und unendlich Teilbares gegenüber. Information ist das einzige Gut, das durch Teilen mehr wird und das war auch schon vor der Erfindung des Computer so.

Wie stellt sich aus deiner Perspektive die Situation von Open Data in Österreich dar? 

In Sachen Open Data hat sich in Österreich in den letzten Jahren vieles getan. Das Thema ist zwar noch nicht überall dort angekommen, wo es hin gehört, aber dank der Arbeit und dem Enthusiasmus von vielen sind wir auf dem richtigen Weg. Für die Ausgangssituation eines Staates, in dem das Amtsgeheimnis im Verfassungsrang steht, hat es das Prinzip der Offenheit trotzdem schon an vielen Stellen in die Verwaltung und die Köpfe der Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger geschafft.

Welche Gefahren und welche Chancen siehst du für die zukünftige Entwicklung von Open Data hierzulande? 

Das größte Risiko sehe ich darin, dass das Thema einschläft oder sich die Bewegung mit dem schon Erreichten begnügt. Das Thema muss weiter wachsen, in neue Gesellschaftsbereiche vordringen, sich durch nützlichere Verwendungen für die Menschen beweisen und ultimativ braucht es Gesetzte um Offenheit von der erkämpften Ausnahme zur gewünschten Norm werden zu lassen. Die große Gefahr in Österreich ist immer sich mit einer “österreichischen Lösung” zu begnügen. Wir brauchen eine Vision, wo wir in diesem Thema in drei oder fünf Jahren sein wollen!

Chancen gibt es wahnsinnig viele und ich bin mir sicher, das es viele Menschen gibt, die darauf bessere Antworten haben als ich. Ich sehe es als meinen Job an diesen Menschen zu helfen ihre Ideen für offenes Wissen in Österreich umzusetzen!

Thomas Lohninger, 25, arbeitet halbtags als Programmierer und studiert Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Er bloggt unter netzkinder.at und twittert als @socialhack. Jetzt ist er neue Community Coordinator der Open Knowledge Foundation Österreich. 

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