Sonja Fischbauer ist unsere neue Community-Koordinatorin

Zu Studienzeiten suchte sie in der Erde nach alten Knochen, heute trägt sie statt der Schaufel ein Notebook im Gepäck: Sonja Fischbauer arbeitet als selbstständige Projektmanagerin, PR-Fachfrau und Texterin. Jetzt löst sie Tom Lohninger als unseren Community Coordinator ab, welcher in das Executive Board wechselt. In diesem Interview erzählt sie, was sie zur Open Knowlege geführt hat, und welche Pläne sie für die Zukunft des Vereins schmiedet.

Thomas: Erzähl mal Sonja, was ist dein Werdegang, wie bist du zur Open Knowledge Foundation gekommen?
Sonja: Über ein paar abenteuerliche Umwege: Ich habe Archäologie an der Uni Wien studiert und bin letztendlich in der PR- und Kommunikation gelandet, immer mit einem IT-Einschlag. Ich kenne die Open Data Szene in Wien schon seit einigen Jahren; Einige meiner ältesten Freunde sind in Projekten wie der Open Street Map und der Initiative Offene Öffis engagiert, für die ich gelegentlich bei der Pressearbeit ausgeholfen habe. So habe ich auch die Open Knowledge Österreich kennengelernt. Als im Frühjahr 2014 dann die Position für die Projektleitung des Young Coders Festivals ausgeschrieben war, dachte ich sofort: Das muss ich unbedingt machen, wenn ich schon zu alt bin, um selbst daran teilzunehmen! Und das war die beste Entscheidung des Jahres, denn das Young Coders Festival ist ganz toll gelaufen, gleich darauf standen die nächsten Projekte ins Haus, und mir war klar: Ich bleibe der Open Knowledge erhalten und grabe statt alter Skelette jetzt Datenberge aus.

T: Was heißt Open Knowledge für dich und welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat es?
S: Ich sehe vor allem die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge, da kommt bei mir die Geisteswissenschaftlerin durch. Mit Open Knowledge schaffen wir uns das Potential für eine besser Zukunft: Es ist eine Unmenge an Wissen, die verlorengeht, wenn alle ihr eigenes Süppchen kochen; so viele Möglichkeiten, die nicht entstehen, wenn Wissen verschlossen bleibt. Anstatt das Rad ständig neu zu erfinden, nutzen wir doch besser das Potential, das sich aus der Öffnung ergibt und profitieren dann auch vom Mehrwert – und der ist nicht nur ein gesellschaftlicher und politischer, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor.

Sonja Fischbauer, Community Coordinator Open Knowledge Austria

Sonja beim Young Coders Festival 2014. Foto cc-by Luiza Puiu

T: Wie stellt sich aus deiner Perspektive die Situation von Open Data in Österreich dar?
S: In den letzten Jahren hat sich in Österreich viel getan. Wien, Linz und ein kleiner, in der Open-Data-Szene hochbekannter Ort namens Engerwitzdorf in Oberösterreich haben eine Vorreiterinnen-Rolle, die ihnen andere Städte und Bundesländer hoffentlich bald strittig machen. Auch im Bereich Open Science Data gibt es erfreuliche Fortschritte, nicht zuletzt durch verstärkte Medieninteresse im letzten Jahr.
Aber Open Data ist nicht allein der Verwaltung und der Wissenschaft vorbehalten. Der nächste Schritt ist jetzt, dass die Wirtschaft aufspringt. Das kommerzielle Potential offener Daten wird noch wenig genutzt – und das ist schade, denn wenn wir Stakeholder in der Privatwirtschaft für Open Data mobilisieren, dann zeigt das der Öffentlichkeit deutlich, wie wertvoll offene Daten sind. Manche Unternehmen setzen schon auf Open Data, was ein ganz großartiger Schritt ist. Doch ich denke, in dem Bereich müssen wir als Community noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten.

T: Was erwartet uns 2015 von der Open Knowledge Foundation?
S: Zusätzlich zu den laufenden Projekten möchten wir uns darauf konzentrieren, unsere Partnerschaften zu festigen und die Community zu stärken. Es gibt so viele tolle Leute in Österreich, die sich für Open Knowledge in den unterschiedlichsten Formen schon engagieren oder gerne mehr engagieren wollen: Von Unternehmen, die das Prinzip von Openness gut finden, aber Unterstützung in der Umsetzung brauchen, über innovative DeveloperInnen, die sich bestimmte offene Datensätze wünschen bis hin zu KunststudentInnen, die mehr über Open Design erfahren wollen. Als Community Coordinator freue ich mich ganz besonders darauf, der Knotenpunkt für all diese großartigen Personen und Projekte zu sein, und neue Leute für das Thema zu begeistern.

T: Wo geht die Reise hin? Was ist deine Vision?
S: Mein Ziel für die Open Knowledge ist, dass wir noch weiter wachsen. Wir leisten Überzeugungsarbeit für Open Data und Offenes Wissen in Österreich – in dieser wichtigen Rolle wollen wir uns noch aktiver einbingen, noch nachhaltiger arbeiten. Dabei sind wir so stark wie diejenigen, die uns unterstützen.
Deswegen lautet meine Vision für die Open Knowledge Österreich: Mehr Mitglieder gewinnen, mehr Gleichgesinnte zusammenbringen, mehr Firmenpartnerschaften schließen – damit wir uns als Organisation mit einem soliden Standbein ganz darauf konzentrieren können, was wir am Liebsten machen und am Besten können: Engagiert und überzeugt für Openness arbeiten.

Wer die Open Knowledge Österreich in ihrer Mission für Freies Wissen stärken will, ist herzlich eingeladen, mitzumachen und Mitglied zu werden. Wir freuen uns über eure Unterstützung!

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