Aktuelle Strategieprozesse im Kontext von Open Science

Am 11.4.2016 fand das achte Open Science MeetUp Where does our science go? in Wien statt. Ziel des Abends war eine Zusammenschau der vielen unterschiedlichen forschungspolitischen Strategieprozesse vorzustellen und den TeilnehmerInnen etwas Klarheit bezüglich der aktuellen Forschungspolitik in Österreich und Europa zu verschaffen. Verschiedene Mitglieder der Open Science Arbeitsgruppe der Open Knowledge Österreich präsentierten aktuelle Strategieprozesse und beleuchteten diese kritisch.

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In der offenen Diskussion im Anschluss wurden mehrere Kritikpunkte zu den laufenden Strategieprozessen laut. Eine Zusammenfassung der diskutierten Punkte ist in diesem Blog Post nachzulesen.

Open Innovation AT und Digital Roadmap AT

Stefan Kasberger stellte die Digital Roadmap & Open Innovation Initiativen der österreichischen Bundersregierung vor (Slides). Im Rahmen der Open Innovation Strategie wird unter anderem der Aufbau eines nationalen Forschunsgzentrums für die Anwendung von Open Innovation in der Wissenschaft diskutiert. Ein weiterer Augenmerk liegt auf der Schaffung von freiem Zugang zu Forschungsdaten (Open Research Data). Die Digital Roadmap verfolgt das Ziel Österreich im Rahmen des stattfindenden digitalen Wandels als Wirtschafts- und Innovationsstandort zu stärken. Dies soll unter anderem durch die Förderung von Open Data, Open Access, und Open Educational Resources gewährleistet werden. Beide Strategien waren bis vor kurzem noch in der frühen Konsultationsphase. Die Beiträge sind sehr schwammig formuliert und insbesondere mit dem Begriff Open Innovation werden sehr große Erwartungen geweckt. Konkretes sucht man vergebens. Schlussendlich wird sich aber entscheiden, was hinter den vielversprechenden Worten an Substanz steckt und wem die offene Kultur zu gute kommen wird. Die digital Roadmap hat mit einzeiligen Fragen bzw. Statements sogar einen noch schwieriger greifbaren Charakter.

ERA Roadmap und RRI

Als zweiten Input stellte Katja Mayer zwei Initiativen vor, die die Verschränkung von europäischen und nationalen Strategien verfolgen (Slides). Die Responsible Research and Innovation (RRI) Initiative bestrebt Innovation in Forschung durch partizipative und nachhaltige Ansätze zu fördern. Dazu gehört die Einbindung von weiteren Akteuren in wissenschaftliche Prozesse. Nebst den WissenschaftlerInnen sollen beispielsweise die breite Öffentlichkeit, Entscheidungsträger, Unternehmen, oder NGOs in die Forschungsprozesse mit einbezogen werden. Mit der Key Action Science in Society fördert die Europäische Union im Horizon 2020 Förderprogramm dezidiert Forschungsprojekte, die diesen integrativen Ansatz umsetzen. RRI wird weiters als Querthema im gesamten Forschungsrahmenprogramm verstanden. Open Science tritt im Rahmen von RRI vorrangig als Open Access in Erscheinung, kann implizit auch über die Gestaltung von Partizipationsmöglichkeiten, Governanceansätzen und offenen Ausbildungs- und Unterrichtsmethoden wirken. In Österreich finden sich zwei Initiativen zu diesem Thema: die Plattform RRI positioniert sich als bottom-up Kompetenznetzwerk mit dem Ziel RRI sowohl zu betreiben als auch in institutionellen policies zu verankern. Die Alliance for Responsible Science scheint hingegen mehr einem top-down Ansatz zu folgen. Die Website listet die UnterzeichnerInnen des Memorandum of Understanding und weist auf RRI relevante Projekte hin. Der Fokus liegt klar auf Citizen Science und Nachwuchsprojekten.

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Die ERA Roadmap 2015-2020, die die Aktivitäten der Mitgliedstaaten zur Stärkung des Europäischen Forschungsraums unterstützen und fördern soll, enthält ebenfalls Prioritäten, die Open Science im nationalen Kontext verankern. Das aktuelle Dokument wurde Ende Mai 2015 vom Competitiveness Council verabschiedet. Im Rahmen der ERA Roadmap Konsultation im Dezember letzten Jahres veröffentlichte die Open Science Arbeitsgruppe von Open Knowledge Österreich ein Statement. Zentrale Forderungen beinhalten u.a. die systematische Erforschung des wirtschaftlichen Potentials von Open Science, Anpassung des Copyrights und Diskussion von commons und alternativen Wertschöpfungsmodellen, Open Access ausbauen, nationale policies zu Open Research Data und Open Education planen, usw. Am 20. April wurde die österreichische ERA Roadmap offiziell beschlossen.In einem aktuellen policy briefing erläutert der Autor seine Bedenken zur nun mehr verschwindenden Relevanz des Konzepts des Europäischen Forschungsraumes.

Peter Kraker präsentierte eine weitere österreichische Initiative. Das Projekt e-Infrastructures Austria hat eine Research Data Management Task Force ins Leben gerufen mit dem Ziel, Empfehlungen für eine nationale Research Data Management Policy auszuformulieren. Ein Strategiepapier mit Textbausteinen soll bis Sommer 2016 vorliegen. Geplant ist das Vorhaben mit weiteren parallelen Initiativen in Österreich zu koordinieren.

Open Access und EU

Zum Schluss stellte Falk Reckling eine Auswahl aktueller Open Access Initiativen und die Entwicklungen auf europäischer Ebene rund um die niederländische Ratspräsidentschaft vor. Das Open Access Network Austria (OANA) hat im Rahmen der Arbeitsgruppe Nationale Open Access Strategie ein Paper veröffentlicht, das konkrete Empfehlungen für die Umsetzung von Open Access in Österreich enthält. Erklärtes Ziel ist bis 2025 alle wissenschaftlichen Publikationsaktivitäten in Österreich auf Open Access umzustellen. Dies betrifft in erster Linie Publikationen, deren Forschung aus öffentlichen Geldern finanziert wird. Die größten Herausforderungen in diesem Zusammenhang sind internationale Open Access Publikationsmodelle, Infrastrukturen und Services zu schaffen, die sich mit denen der großen kommerziellen Information Providern messen können. Eine weitere Herausforderung ist die Schaffung von nachhaltiger Förderung über die institutionellen und nationalen Grenzen hinweg. Weitere internationale Initiativen sind z.B. die Initiative zur Stärkung von Open Access (OA2020) der Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland, oder der Amsterdam Call for Action on Open Science.

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Autorenteam und Kontakt: okfn.at/open-science/

Bilder von Stefan Kasberger, Lizenz: CC BY 4.0

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