Offener Brief für Kostentransparenz zu Publikationskosten in der Wissenschaft

Sehr geehrte Mitglieder des Wissenschaftsausschusses des Nationalrates,

sehr geehrter Herr Wissenschaftsminister,

sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Minister für Verfassung,

Wir vom Verein Open Knowledge Austria stehen für eine Welt, in der Wissen für alle frei zugänglich und verwendbar ist. In diesem Zusammenhang wollen wir Sie durch diesen offenen Brief auf ein international zur Zeit heiß debattiertes Problem in Wissenschaft und Forschung hinweisen: die mangelnde Kostentransparenz der durch Verlage vertriebenen wissenschaftlichen Ergebnisse.

Wissenschaftliche Informationen werden in Form von Publikationen und Datenbanken zu einem überwiegenden Teil von öffentlich finanzierten Bibliotheken der Forschungsstätten angeschafft, und können nach Erwerb auch nur von Personen genutzt werden, die Angehörige der jeweiligen Institutionen sind. Der Vertrieb wissenschaftlicher Informationen liegt in der Hand einiger weniger kommerzieller Anbieter. Gemäß jüngster Zahlen aus Finnland verteilen sich schätzungsweise zwei Drittel der Bibliotheksbudgets für wissenschaftliche Informationsangebote mittlerweile auf fünf Anbieter, wobei der Trend von Akquisitionen und Fusionen der letzten Jahre eine weitere Marktkonzentration erwarten lässt. Durch dieses Oligopol sind einerseits rapide Preissteigerungen zu befürchten, andererseits, dass Wissensbestände, die mit öffentlichen Mitteln produziert wurden, von einigen wenigen kommerziellen Anbietern kontrolliert werden. Dies führt zu geringerer Innovation durch einen Mangel an Wettbewerb.

Einer der zentralen Gründe dieser Entwicklung ist, dass sich diese Informationsanbieter eine Geheimhaltungsklausel für die Verträge mit den Bibliotheken vorbehalten. D.h. es kann nicht öffentlich gemacht werden, wie viel eine Bibliothek einem Informationsanbieter für ein bestimmtes Produkt zahlt. Das hebelt nicht nur das konstitutive marktwirtschaftliche Prinzip des fairen Wettbewerbs aus, sondern widerspricht auch dem Transparenzgebot für Leistungen, die überwiegend mit öffentlichen Mitteln erzeugt werden !

Nach einer Reihe von Einzelinitiativen in mehreren Ländern ist nun Finnland das erste Land, das systematisch alle Ausgaben von Bibliotheken an die jeweiligen Informationsanbieter offengelegt hat. Wir bitten Sie, diesem Beispiel zu folgen und den gesetzlichen Rahmen zu schaffen, der Kostentransparenz öffentlicher Mittel auch österreichischen Bibliotheken und Forschungsstätten ermöglicht. Nur so wird ein effizienter Umgang mit öffentlichen Mitteln möglich sein. Darüber hinaus erhalten auch kleinere Anbieter, auch aus Österreich, wieder faire Wettbewerbschancen.

Wie man jüngsten Pressemeldungen entnehmen kann, möchten Bundesregierung und Nationalrat die Diskussion um ein Informationsfreiheitsgesetz wieder aufnehmen. Die Verabschiedung eines solchen, möglichst weitgehenden Gesetzes, das auch die Kostentransparenz für wissenschaftliche Informationen berücksichtigt, wird von der Open Knowledge Austria nachdrücklich unterstützt.

Kostentransparenz ist eine notwendige aber noch keine ausreichende Maßnahme für eine offenere Wissenschaft. Daher möchten wir Sie abschließend auch auf die jüngst publizierten “Vienna Principles. A Vision for Scholarly Communication” hinweisen. Sie wurden von einer Gruppe junger WissenschafterInnen und WissenschaftsadministratorInnen des Open Access Network Austria (OANA) zur Diskussion gestellt und sollen Grundlage für eine offenere Wissenschaft sein.

Die Open Knowledge Austria ist der österreichische Zweig (Chapter) der Open Knowledge International und hat sich der Förderung des Zugangs zu und der Verbreitung von freiem und offenem Wissen in vielfältigen Ausprägungen verschrieben. Freies Wissen führt zu mündigen und aufgeklärten Bürgern, es schafft gesellschaftlichen und ökonomischen Mehrwert und ist in einem demokratischen Staat unerlässlich.

Mit freundlichen Grüßen

Die Open Knowledge Austria.

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