Open-Data-Standards für Entwicklungszusammenarbeit

Transparenter Zugang zu Daten der internationalen und österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist wichtig – für eine effektive Kontrolle der verwendeten Mittel, aber auch für eine effiziente Planung, Umsetzung, Koordination und Evaluierung der geförderten Maßnahmen. Internationale Standards, insbesondere die International Aid Transparency Initiative  (IATI), sollen dabei helfen, Daten zur Entwicklungshilfe zugänglich und vergleichbar zu machen.

Status Quo

Weltweit gibt es mehrere Initiativen und Organisationen, die Daten zu Entwicklungszusammenarbeit sammeln und publizieren. Initiativen wie AidData oder IATI setzen sich für Open Data ein und entwickeln gleichzeitig Netzwerke, Plattformen und Instrumente für Regierungen, NGOs und Individuen.

Hierzulande betreibt vor allem die ADA, die Austrian Development Agency, klassische bilaterale Entwicklungszusammenarbeit. Bei der Datenveröffentlichung gibt es erste Ansätze aber durchaus noch Potenzial, wie Open Knowledge im April diesen Jahres beschrieben hat.

Internationaler Standard

Die International Aid Transparency Initiative entwickelt seit 2008 einen Open-Data-Standard, der mittlerweile von zumindest 473 staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, die im Bereich Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, verwendet wird. Ziel ist es, die veröffentlichten Daten gemeinsam für Professionelle und Interessierte abrufbar und weiter verwendbar zu machen. So verschränkt etwa www.d-portal.org Daten von IATI und OECD .

Daten des britischen Pendants zur Austrian Development Agency und des französischen Außenministeriums sind dort genauso zu finden, wie jene der Asiatischen Entwicklungsbank oder von Transparency International Niederlande.

IATI Daten geben Auskunft über die Organisation, den Sektor, die geografische Region und die Aktivitäten selbst. Auf diese Art sollen etwa jede einzelne Zahlung in einem Projekt nachvollziehbar gemacht und dazugehörige Vertragstexte einsehbar werden.  Die Initiative definiert aber nicht nur, welche Entwicklungs-Daten relevant sind, sondern definiert auch technische Standards, um die Informationen vergleichbar zu machen.

Finanziert wird die Initiative einerseits von den Verwendern selbst, andererseits von einigen Geberländern.

Best Practice

Basierend auf den IATI-Daten haben nationale Entwicklungsagenturen, allen voran die schwedische und britische Entwicklungsagentur, Plattformen aufgestellt, an welchen man recht genau nachvollziehen kann, wofür Entwicklungshilfe in die Hand genommen wurde.

Im schwedischen Fall hält sich die Website großteils an die Vorgaben des IATI-Standards und ist sehr endnutzerfreundlich, da sie es erlaubt, die schwedischen Entwicklungs-Daten nach verschiedenen Kategorien, wie etwa welche öffentliche Stelle in Schweden wen wie und in welchem Jahr unterstützt hat, zu durchsuchen.

Sweden Open Aid

Im Herbst 2016 fehlen hier zwar noch einige Daten, aber die Grundstruktur ist benutzerfreundlich und lässt Datensätze exportieren. Bemerkenswert ist hier auch die Publikation von Untersuchungsberichten von möglichen Korruptionsvorfällen in Projekten der schwedischen Entwicklungsagentur SIDA und ihren Projektpartnern.

Schwach- und Baustellen

Der IATI-Standard akzeptiert, dass bestimmte Informationen von seinen VerwenderInnen nicht veröffentlicht werden. IATI verpflichtet diese jedoch gleichzeitig, ihr Vorgehen bei Veröffentlichungen klar zu definieren und offenzulegen: Die schwedische Open-Data-Website folgt dieser Voraussetzung und stellt klar, welche Daten nicht veröffentlicht werden. So seien Informationen zu Demokratie-unterstützenden Projekten, die durch Nichtregierungsorganisationen in fragilen politischen Kontexten mit schwedischer Entwicklungshilfe ausgeführt werden, nicht auf der Website zu finden – um Projektpartner und Individuen zu schützen. Projektdaten werden aber auch aus Datenschutzgründen oder aufgrund von Geschäftsgeheimnissen von privaten PartnerInnen oft nicht veröffentlicht. Ein solches Vorgehen birgt die Gefahr, dass vor allem Projekte, die in Kooperation mit Unternehmen realisiert werden, hier für BürgerInnen nicht nachvollziehbar gemacht werden können. Diese Flexibilität macht es einerseits für die VerwenderInnen einfacher, den IATI-Standard zu adaptieren und auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden, andererseits verliert ein Standard dadurch teilweise an Gewicht.

Sowohl die Initiative selbst als auch die von ihr mitentwickelte Internetplattform d-portal.org haben das Problem der Qualität der Daten erkannt und legt dieses auch offen:

“d-portal showcases the best practice of a number of major development partners. Many IATI publishers, however, are currently not meeting what developing countries have clearly indicated are their minimum requirements. This just isn’t good enough.“

Im österreichischen Kontext

Im Unterschied zu anderen EU-Ländern scheint der IATI-Standard für österreichische Akteure der Entwicklungszusammenarbeit keine Rolle zu spielen.

Bisher scheint nur eine österreichische NGO, Hilfswerk Austria International, auf der IATI-Website auf, wobei, bei genauerem Hinsehen, nur wenige Daten übermittelt wurden, die auch nicht auf der d-portal.org-Plattform aufscheinen.

Die österreichische Entwicklungsagentur ADA verwendet den IATI-Standard nicht und schneidet daher beim Aid Transparency Index der NGO PublishWhatYouFund 2014 im unteren Viertel mit der Beschreibung „sehr schlecht“ ab (im Index für 2016 war Österreich nicht inkludiert).

Österreich sollte IATI adaptieren

Wohin und wofür heimische Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben werden, ist derzeit weder für BürgerInnen noch für Medien, Wissenschaft oder andere AkteurInnen in diesem Sektor nachzuvollziehen. Denn neben der ADA, die zumindest eine Liste geförderter Projekte veröffentlicht, spielen auch zahlreiche Ministerien dabei eine wichtige Rolle.

Die österreichische Regierung sollte den IATI-Standard adaptieren und Daten entsprechend sammeln und veröffentlichen. Schweden könnte hier als ein positives Vorbild dienen. Mit Hilfe von Open Data kann so ein Mehrwert geschaffen werden und helfen, die vielen staatlichen AkteurInnen der Entwicklungszusammenarbeit in Österreich auf eine Blick sichtbar zu machen. Gleichzeitig kann damit auch die Wirkung von öffentlichen Geldern in diesem Bereich weiter gestärkt und ein Beitrag zur Effizienz der Entwicklungszusammenarbeit geleistet werden.

Ein Gastbeitrag von Hanna Wilhelmer.

Hanna Wilhelmer interessiert sich für Open Data im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und -finanzierung. Neben Rechtswissenschaften schloss sie auch das Studium der Internationalen Entwicklung ab und arbeitete u.a. in der Rechtsabteilung der Asiatischen Entwicklungsbank und im Bereich Nachbarschaftspolitik bei der Europäischen Kommission.

Kommentar verfassen