Unsere Open-Government-Data-Wunschliste für 2017

Wie steht es um Open Government Data in Österreich, und welche Daten sollen als nächstes geöffnet werden? Wir haben das in unserer OGD-Wunschliste zusammen gefasst.

Offene Daten sind das Fundament unserer digitalen Welt und ein zentraler Baustein von Demokratie, Wirtschaft und Bildung im 21. Jahrhundert. Open Government Data fokussiert sich dabei auf den freien Zugang zu Informationen aus dem öffentlichen Sektor. Wichtig ist dabei immer, dass es sich nicht um personenbezogene Daten handelt, ausser es besteht berechtigtes öffentliches Interesse.

Der zentrale Punkt ist immer: Offene Daten können von allen genutzt werden und bewirken so Innovation, Transparenz und Teilhabe!

Der Status Quo von Open Government Data in Österreich ist in einigen Bereichen recht gut, in anderen fehlen Aktivitäten jedoch noch vollkommen. Wie in dem Open Data Index von Open Knowledge International zu sehen, sind 49% der wichtigsten Datensätze bis dato nicht offen zugänglich, was zum 23. Platz bei 122 teilnehmenden Ländern führte.

Wichtige Daten fehlen

Wie im Open Data Index erkennbar, sind noch einige sehr wichtige Datensätze nicht als Offene Regierungsdaten (Open Government Dat) auf dem österreichischen Open Government Data Portal online. Hinzu kommt, dass im kürzlich veröffentlichten neuen Arbeitsprogramm der Regierung steht, man wolle bis 2020 sämtliche Daten der Verwaltung öffnen.

“Bis Ende 2020 sollen alle Daten der öffentlichen Verwaltung nach Möglichkeit als Open Data zur Verfügung stehen. Das erhöht einerseits die Transparenz und schafft auch die Basis für Geschäftschancen für innovative Unternehmen und Startups.”
Arbeitsprogramm der Bundesregierung 2017/2018, S. 18

Wir von Open Knowledge Österreich verfolgen gemeinsam mit der Open Data Community (z. B. open3) die Open Government Data Aktivitäten der Regierung, und setzen uns kontinuierlich für die Öffnung von Wissen ein. So hat sich über die Jahre bei uns eine kleine Wunschliste an Regierungsdaten angesammelt, welche wir gerne als Open Government Data sehen würden. Hier unser Best-Of:

Was wir uns wünschen

Beschaffungswesen: Dabei geht es um Informationen über staatliche Ausschreibungen und deren Vergabe. Die Informationen dazu sind zwar auf einer Website auffindbar, aber nicht offen lizenziert, nicht maschinen-lesbar und für BürgerInnen unleistbar. Dies ist ein besonders wichtiger Datensatz der Einblick in die Vergabe von Steuergeld gibt. Definitiv ganz weit oben auf der Wunschliste.

“Es muss unser Ziel sein, dass der Staat sämtliche Daten und Dokumente prinzipiell veröffentlicht (“open by default”) – außer, es gibt im konkreten Fall klar formulierte Gründe, die eine Geheimhaltung rechtfertigen.”
— Robert Harm, open3

Ausgaben der Bundesregierung: Die gesamten Ausgaben des Bundes sind zentrale Daten um das Tun der Behörden und Politik zu verstehen und nachvollziehen zu können. Hierzu sind vom Bundesministerium für Finanzen (BMF) allerdings keine detaillierten Informationen erhältlich, sondern lediglich eine grobe Aufschlüsselung (siehe Budget 2017).

Kataster: Hierbei handelt es sich um ein flächendeckendes Register aller Liegenschaften. Die zuständige Stelle dafür ist das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV), welches bereits seit 1880 die “Geschäftsfälle” sammelt und archiviert. Freien Zugang gibt es nicht, hierzu muss bis dato noch das Geldtäschchen gezückt werden.


Bild: Urmappe des Franziszeischen Katasters für die Stadt Salzburg by Habsburgermonarchie (Gemeinfrei)

Adressregister: Adressen sind die Grundlage für sehr, sehr viele Anwendungen. Leider sind die Daten nicht offen zugänglich, was viele Nutzungen nicht erlaubt. Auch hier ist das BEV die innehabenden Stelle, welche gemeinsam mit den Gemeinden die Daten “besitzen”. Nähere Infos erfährt dazu gibt es beim Projekt Offene Adresse AT.

Unternehmensregister/Firmenbuch: Das offizielle Verzeichnis der Unternehmen stellt eine wichtige Grundlage dar, um wirtschaftliche Zusammenhänge (Stichwort Korruption) besser verstehen zu können und ist einer der wichtigsten Datensätze für JournalistInnen, Unternehmen, ForscherInnen und die Verwaltung selber. Das Justizministerium sammelt diese Daten, wenn man diese aber nutzen will muss man bezahlen – und offen nutzbar sind sie dann noch immer nicht.

Wettervorhersagen: 5 Tage Vorhersage von Temperatur, Niederschlag und Wind – das sind die Anforderungen für ein positives Abschneiden beim Global Open Data Index im Bereich Klima. Darüber würden sich vor allem viele App-EntwicklerInnen in der Tourismus-Branche freuen, die damit ihre Services verbessern könnten. Die Daten gibt es an sich, sie liegen aber bei der ZAMG und warten noch auf die Öffnung.


Bild: GOES-8 by NOAA (Public Domain)

Verkehr: In Österreich gibt es mit der Verkehrsauskunft Österreich (VAO) ein tolles Projekt, das übergreifende Daten sämtlicher Verkehrsmöglichkeiten enthält – von PKW, über Rad bis hin zum öffentlichen Verkehr. Einzelne Akteure wie die ASFINAG, der ÖAMTC sowie diverse Verkehrsverbünde nutzen die Daten bereits für eigene Services. Den BürgerInnen und Start-Up’s bleibt dies jedoch versagt, obwohl ein offener Zugang zu Verkehrsdaten sich international als einer der innovativsten Bereiche von Open Data erwiesen hat. Gründe dafür kann man hier  nachlesen. PS: Auch bei der ÖBB gäbe es noch etwas zu tun.

Gesundheit und Energie: Es wäre zu viel, hier alle Datensätze aufzulisten, die Potential für die Gesellschaft und Wirtschaft haben. Als Beispiele seien nur die E-Control Austria mit den Sprit- und den Strompreisen und die Auslastung und Wartezeiten in Krankenhäusern genannt. Eines ist schnell klar: Diese beiden Bereiche sind nah an der Lebenswirklichkeit der BürgerInnen dran und können unser Leben besser und einfacher machen. Egal ob es sich um Klimawandel, Energiewende, Medikamenten-Verschreibungen oder Operationen handelt – diese Daten betreffen uns alle und haben hohe Relevanz für unser tagtägliches Leben und unsere Zukunft.

Zum Schluss noch eine kurze Liste weiterer Datensätze die man öffnen sollte: Studien und Rechtsgutachten, die Daten der Statistik Austria und des Umweltbundesamtes, Feinstaub-Belastung, Pollen, Kriminalstatistik, Agrar-Subventionen, Ediktsdatei, Entwicklungshilfe, Verkehrsunfallkarte, Lobbyregister und sämtliche Wahlen.

Jetzt gemeinsam durchstarten

Österreich steht im internationalen Vergleich nicht schlecht da, doch von einem umfassenden Verständnis der Chancen und Risiken der Digitalisierung – und der Öffnung jener – sind wir noch weit entfernt. Besonders jene Daten wo es um ökonomische oder politische Interessen geht, scheinen sich ein bisschen im Hintergrund zu halten und Angst vor der Öffentlichkeit zu haben. Darum wollen wir alle Akteure sowie die BürgerInnen aufrufen, jetzt die nächsten Schritte mit uns gemeinsam zu gehen. Wir, Open Knowledge Österreich, werden uns jeden Fall auch weiterhin jeden Tag für die Öffnung von Wissen für alle einsetzen.

Wir freuen uns dazu über jede Unterstützung und jede Idee – bring dich ein und hilf mit, Österreich ein Stück offener zu machen.

Quellen

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